Vom Weltrekordhalter von 1997 zur Dauerausstellung an der Karl-Marx-Allee
Das Computerspielemuseum hat einen Superlativ, den ihm niemand mehr nehmen kann: Guinness World Records führt es als erstes dauerhaftes Computerspielmuseum der Welt. 1997 eröffnete es in Berlin die weltweit erste ständige Ausstellung zur digitalen interaktiven Unterhaltungskultur, zu einer Zeit, als Computerspiele noch kaum als Kulturgut galten. Im Jahr 2000 ging das Haus online und existierte danach über ein Jahrzehnt vor allem im Netz, bevor es am 21. Januar 2011 an der Karl-Marx-Allee 93a in Friedrichshain wieder physisch eröffnete, mit der Dauerausstellung Computerspiele, Evolution eines Mediums. Die Adresse passt besser, als es auf den ersten Blick wirkt: Die Karl-Marx-Allee war die sozialistische Prachtstraße der DDR, und ausgerechnet hier wird heute die Geschichte eines Mediums erzählt, das in Ost und West sehr unterschiedlich ankam. 2017 erhielt das Haus für diese Arbeit den Sonderpreis der Jury beim Deutschen Computerspielpreis, ausgezeichnet wurde die Zugänglichmachung der Kulturgeschichte des Spiels. Dass ein Museum zuerst eine Ausstellung hatte, dann über ein Jahrzehnt vor allem eine Website und erst danach wieder feste Räume, ist selbst ein Stück Mediengeschichte.
Nimrod, Poly-Play und ein Exponat erst ab 18 Jahren
In der Spiel- und Experimentierlandschaft des Computerspielemuseums stehen über 300 Exponate, Tausende weitere lagern im Archiv. Die Sammlung umfasst mehr als 35.000 Originaldatenträger mit Spielen und Anwendungen, über 350 verschiedene Konsolen und Computersysteme sowie mehr als 12.000 Zeitschriften, dazu Automaten, Medienkunst und Merchandising; beschrieben wird sie als weltweit größte Sammlung aus 70 Jahren Computerspiele. Drei Stücke stechen heraus. Der Nimrod ist der Nachbau eines der weltweit ersten Spielcomputer von 1951, dessen Original mit 480 Röhren arbeitete. Der Poly-Play war der in der DDR produzierte Spielautomat und steht hier als Exponat. Und die PainStation ist das einzige Ausstellungsstück des Hauses, das erst ab 18 Jahren freigegeben ist, weil sie Fehler der Spielenden körperlich bestraft. Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 8 Euro, die Familienkarte liegt bei 20 oder 32 Euro. Die U5 hält mit der Station Weberwiese rund hundert Meter entfernt, dazu kommen die Buslinien 240 und 347. Wer mit Kindern kommt, sollte Zeit mitbringen, denn fast alles ist hier zum Ausprobieren gedacht und nicht zum Angucken.