


Das Café Sibylle an der Karl-Marx-Allee 72 eröffnete im Oktober 1953 als Milchbar und wurde später nach der DDR-Frauenzeitschrift Sibylle benannt. Neben Kaffee und Kuchen gibt es hier eine kostenlose Dauerausstellung zur Nachkriegsmoderne in Ost und West. Das bekannteste Stück ist ein Ohr des Stalin-Denkmals, das bis 1961 in der Allee stand.
Café Sibylle an der Karl-Marx-Allee: Von der Milchbar zum Hausmuseum
Das Café Sibylle liegt an der Karl-Marx-Allee 72 im Erdgeschoss eines der Friedrichshainer Arbeiterpaläste, auf halbem Weg zwischen Weberwiese und Strausberger Platz. Eröffnet wurde es am 29. Oktober 1953 als Milchbar an der damaligen Stalinallee und war von Anfang an als Schaufenster der neuen Vorzeigestraße gedacht. Es gehörte zu dem Band aus Läden und Gastronomie, das die Erdgeschosse der Allee beleben sollte. In den sechziger Jahren bekam es den Namen der populären DDR-Frauenzeitschrift Sibylle, deren Redakteurinnen und Modelle sich hier trafen und im Gastraum sogar Modenschauen veranstalteten. Damit war die Adresse in Ostberlin eine der exklusiveren und zugleich ein ganz normaler Treffpunkt im Viertel. Nach der Wiedervereinigung schloss das Haus zunächst, öffnete Anfang der 2000er wieder, musste im April 2018 nach Vertragsstreitigkeiten erneut schließen und wurde am 16. November 2018 mit einem Festakt wiedereröffnet, an dem auch Hans Modrow teilnahm.
Stalins Ohr und eine Ausstellung über die Stadt von morgen
Im Inneren wurden bei der Sanierung originale Wandmalereien aus den fünfziger Jahren freigelegt und in die Gestaltung einbezogen, sodass der Raum selbst zum Exponat wird. Das bekannteste Stück der Sammlung ist ein Ohr samt einem Stück Bart des Stalin-Denkmals, das von 1951 bis 1961 in der Allee stand. Arbeiter, die den Abbau durchführten, bewahrten die Fragmente auf und übergaben sie nach 1990 den Ausstellungsmachern. Die Originale liegen heute im Militärhistorischen Museum in Dresden, im Café Sibylle sind Kopien zu sehen. Seit Juni 2024 läuft hier die Dauerausstellung Berlin Ost West Ost, die erstmals die Karl-Marx-Allee und die Interbau-Gebiete im Hansaviertel gemeinsam zeigt und damit die Nachkriegsmoderne beider Stadthälften nebeneinanderstellt. Entwickelt wurde sie vom Verein Stalinbauten und gefördert vom Landesdenkmalamt Berlin, kuratiert haben sie Carsten Bauer und Achim Bahr. Der Zugang zur Ausstellung kostet nichts, sie lässt sich also ganz nebenbei bei einem Stück Kuchen anschauen.
Top10 Redaktion
Erfahrungsbericht vom 26.10.2026
Preisniveau
Für Speise und Getränk sind etwa 10 bis 20 Euro pro Person einzuplanen.
Ausstellung
Der Zugang zur Dauerausstellung ist kostenlos.
ÖPNV
U5 bis Weberwiese oder Strausberger Platz, beide liegen an der Karl-Marx-Allee.
Highlight
Ein Ohr und ein Stück Bart des früheren Stalin-Denkmals, ausgestellt als Kopien.
Besonderheit
Im Gastraum sind originale Wandmalereien aus den fünfziger Jahren freigelegt.
Barrierefreiheit
Für rollstuhlgerechte Besuche der Ausstellung ist eine Anmeldung am Tresen nötig.
Kontakt
Rückfragen zum Ausstellungsbetrieb beantwortet die Nummer 030 32665101.
Öffnungszeiten
- Montag: Geschlossen
- Dienstag: Geschlossen
- Mittwoch: 10:00–18:00 Uhr
- Donnerstag: 10:00–18:00 Uhr
- Freitag: 10:00–18:00 Uhr
- Samstag: 10:00–18:00 Uhr
- Sonntag: 10:00–18:00 Uhr















