

Die Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg ist weit mehr als ein Gotteshaus. Sie war das Herz der friedlichen Revolution 1989 in der DDR und steht bis heute für Zivilcourage, Widerstand und die bewegte deutsch-deutsche Geschichte.
Ein Ort, der Geschichte schrieb
Wer die deutsche Geschichte wirklich verstehen will, kommt an der Gethsemanekirche nicht vorbei. Während der friedlichen Revolution bot die Kirche im Prenzlauer Berg Menschen, die gegen das politische System aufbegehrten, einen wichtigen Schutzraum. Hier organisierten sie sich und tauschten wichtige Informationen aus. Was das konkret bedeutete, war uns beim Besuch sofort spürbar: Anfang Oktober 1989 wurde die Gethsemanekirche zum Zentrum des Widerstands und zu einem Brennpunkt der Revolution. Ein Kontakttelefon erledigt die Aufgaben einer Nachrichtenagentur. Solidaritätsaktionen für inhaftierte Demonstrant*innen schufen öffentliche Aufmerksamkeit.
Besonders beeindruckend fanden wir, dass Oppositionelle Informationen aus der ganzen DDR über Demonstrationen, Verhaftungen und staatliche Übergriffe in der Gethsemanekirche sowie über das Untergrundblatt „Telegraph“ öffentlich bekannt macht. Darüber hinaus spiegelt die Kirche mehrere Kapitel deutscher Geschichte wider: Während der 1980er Jahre war die Gethsemanegemeinde ein Sammelpunkt für Oppositionelle und die DDR-Friedensbewegung. Unter verschiedenen bürgerrechtlichen Gruppierungen zeichnet sich seit 1983/1984 eine der wenigen explizit lesbischen Gruppierungen in der DDR ab.
Auch nach der Wende blieb die Kirche politisch aktiv. Zur Eröffnung der ersten und einzigen frei gewählten Volkskammer im März 1990 kam diese hier zu einem Gottesdienst zusammen. Zudem täglich um 18 Uhr das politische Gebet „Wachet und betet – Freiheit Jetzt!“ laden. in der Kirche oder im Kirchgarten dazu ein, Teil dieser lebendigen Erinnerungskultur zu sein. Die Gethsemanekirche ist damit ein Ort für alle, die deutsche Geschichte nicht nur lesen, sondern fühlen möchten, ob Geschichtsinteressierte, Schüler*innen oder internationale Besucher*innen.
Lage, Architektur und Umgebung
Die in den Jahren 1891 bis 1893 erbaute Gethsemanekirche gilt als das reifste Werk des Kirchenbaumeisters August Friedrich Wilhelm Orth. Die Gestalt einer neugotischen Backstein-Hallenkirche überrascht im Innern durch einen lichten Zentralraum. Sie steht an der Stargarder Ecke Greifenhagener Straße im Norden des Ortsteils Prenzlauer Berg, rund 100 Meter östlich der Schönhauser Allee in der Nähe des gleichnamigen Ring- und U-Bahnhofs. Der nahegelegene Mauerpark sowie die belebte Schönhauser Allee machen einen Besuch außerdem leicht mit einem Spaziergang durch den Kiez verbinden.
Top10 Redaktion
Erfahrungsbericht vom 12.05.2026














