
Diener Tattersall verbindet zwei Berliner Geschichten in einem Namen: die Reithalle Tattersall des Westens von 1893 und den Schwergewichtsboxer Franz Diener, der das Lokal 1954 übernahm. Von ihm stammt auch die Bilderwand mit rund fünfhundert Porträts, und das Hausgericht ist bis heute die Boulette, fein gewolft und mild gewürzt, mit Kartoffelsalat oder Spiegelei.
Vom Tattersall des Westens zur Künstlerkneipe am Savignyplatz
An der Grolmanstraße entstand 1893 das Tattersall des Westens, eine Reitschule mit Stallungen und Sattlerei unter den Bögen der Stadtbahn, dazu ein Casino mit Restaurant. Der Begriff geht auf den englischen Pferdeauktionator Richard Tattersall zurück, der 1766 in London eine Reitschule mit Pferdevermietung gegründet hatte; in Berlin gab es vor dem Ersten Weltkrieg mehrere solcher Betriebe, meist in der Nähe des Großen Tiergartens, wo wohlhabende Berliner morgens ausritten. An der Fassade stehen die Inschriften Tattersall des Westens und Reithalle bis heute. Die Reithalle brannte im Zweiten Weltkrieg nach einem Bombenangriff ab, das Restaurantgebäude blieb stehen. 1954 übernahm Franz Diener das Lokal, ehemaliger Deutscher Meister im Schwergewicht, gelernter Fleischer und wegen seiner Statur die deutsche Eiche genannt, und benannte es nach sich selbst. Der heutige Name führt beide Linien zusammen. Ringsum liegt das Ausgehviertel der City West mit den Ziegelbögen am Savignyplatz, Jazzclubs und Buchläden, und die Universität der Künste ist nur wenige Schritte entfernt.
Rund fünfhundert Porträts an der Wand und die Boulette als Hausgericht
Unter Franz Diener wurde aus der Gaststätte an der Grolmanstraße eine Künstlerkneipe, und er legte die Galerie an, die das Haus bis heute prägt. Inzwischen hängen rund fünfhundert Porträts an der Wand, viele davon Geschenke prominenter Gäste an die Wirtsleute, und die Sammlung wird weiter ergänzt. Unter den Gesichtern finden sich Manfred Krug, Willi Millowitsch, Rainer Werner Fassbinder, Hildegard Knef, Herbert von Karajan und Helmut Newton. Dazu kommen rote Polsterbänke, grün gestrichene Wände, eine dunkle Holzdecke und naiv gemalte Jagdszenen. Diener Tattersall hat rund achtzig Plätze im Haus und noch einmal vierzig draußen. Gekocht wird bei Diener Tattersall traditionelle deutsche und Altberliner Hausmannskost, und das Hausgericht ist die Boulette: fein gewolftes gemischtes Hackfleisch, mild gewürzt und saftig, serviert mit Kartoffelsalat oder mit Spiegelei. Weil Franz Diener gelernter Fleischer war, kommt auch die Leberwurst aus eigener Herstellung. Daneben stehen Königsberger Klopse in Kapernsauce, Eier in Senfsauce mit Kartoffelpüree, Bauernsülze, Hackepeter, Brathering mit Salzkartoffeln, Strammer Max und Kartoffelpuffer mit Apfelmus auf der Karte, die meisten Hauptgerichte liegen zwischen 11 und 24 Euro. Wer kleiner essen möchte, bekommt viele Gerichte als halbe Portion, und gezapft wird Schultheiss.
Top10 Redaktion
Erfahrungsbericht vom 07.10.2024
Preisniveau
Die meisten Hauptgerichte liegen zwischen 11,00 und 24,00 Euro, kleine Gerichte und Vorspeisen darunter.
Hausgericht
Die Boulette aus fein gewolftem gemischtem Hackfleisch, mild gewürzt und saftig, serviert mit Kartoffelsalat oder mit Spiegelei.
Berliner Klassiker
Königsberger Klopse in Kapernsauce, Eier in Senfsauce mit Kartoffelpüree, Bauernsülze, Hackepeter, Brathering mit Salzkartoffeln, Strammer Max, Linseneintopf und Kartoffelpuffer mit Apfelmus.
Aus eigener Herstellung
Die Leberwurst macht das Haus selbst. Franz Diener, der das Lokal 1954 übernahm, war gelernter Fleischer.
Halbe Portionen
Viele Gerichte gibt es auch als halbe Portion.
Bier
Gezapft wird Schultheiss, dazu stehen Pilsener, Kölsch, Hefeweizen und Berliner Weiße auf der Karte.
Die Bilderwand
Rund fünfhundert Porträts prominenter Gäste, viele davon Geschenke an die Wirtsleute. Die Sammlung geht auf Franz Diener zurück und wird weiter ergänzt. Zu sehen sind unter anderen Manfred Krug, Willi Millowitsch, Rainer Werner Fassbinder, Hildegard Knef, Herbert von Karajan und Helmut Newton.
Einrichtung
Rote Polsterbänke, grün gestrichene Wände, eine dunkle Holzdecke und naiv gemalte Jagdszenen.
Plätze
Rund achtzig Plätze im Haus und etwa vierzig im Freien.
Das Gebäude
1893 als Tattersall des Westens erbaut, einer Reitschule mit Stallungen und Sattlerei unter den Bögen der Stadtbahn. An der Fassade stehen bis heute die Inschriften Tattersall des Westens und Reithalle.
Reservierung
Eine Reservierung ist dringend zu empfehlen und läuft telefonisch. Ein Vorlauf von einigen Tagen ist sinnvoll, weil das Lokal meist ausgebucht ist.
Verkehr und Kontakt
Der S-Bahnhof Savignyplatz liegt wenige Schritte entfernt, der Bahnhof Uhlandstraße an der U1 ebenfalls in der Nähe. Grolmanstraße 47, 10623 Berlin.
Öffnungszeiten
- Mo bis Sa: 18:00 – 02:00 Uhr
- So: Geschlossen





