Spaziergang durchs Scheunenviertel




Zwischen Hackeschem Markt und Oranienburger Straße liegen Jugendstilhöfe von 1905, die Neue Synagoge von 1866, der Alte Jüdische Friedhof und das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt auf wenigen Hundert Metern beieinander, dazu überall Stolpersteine. Eine Klassenfahrt in Berlin füllt hier einen Vormittag ohne eine einzige Fahrkarte.
Spaziergang durchs Scheunenviertel: Berliner Geschichte zu Fuß
Der Name stammt aus dem 17. Jahrhundert, als der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm anordnete, die feuergefährlichen Scheunen vor die Stadtmauer zu verlegen. Heute heißt das Quartier offiziell Spandauer Vorstadt, der alte Name hat sich aber gehalten. Auf wenigen Hundert Metern liegen Hinterhöfe, Synagoge, Friedhof und Museen so dicht beieinander, dass eine Klasse den Vormittag ohne ein einziges Verkehrsmittel füllen kann.
Ein guter Startpunkt ist der Hackesche Markt mit Anschluss an S-Bahn und mehrere Tramlinien. Gleich daneben liegen die Hackeschen Höfe, acht miteinander verbundene Innenhöfe auf 9.200 Quadratmetern Grundfläche, gebaut ab 1905 nach Plänen von Kurt Berndt. Die Jugendstilfassade im ersten Hof stammt von August Endell. Seit 1977 steht das Areal unter Denkmalschutz, der Zugang kostet nichts.
Stationen im Scheunenviertel: Neue Synagoge, Blindenwerkstatt und Stolpersteine
Die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße wurde 1866 eingeweiht und war mit 3.200 Plätzen die größte Synagoge Deutschlands. In der Pogromnacht 1938 verhinderte der Reviervorsteher Wilhelm Krützfeld Schlimmeres, 1943 zerstörten Bomben das Haus, 1958 wurde der Hauptraum gesprengt. Seit 1991 trägt die wiederaufgebaute Kuppel wieder den Davidstern. Schulklassen zahlen zwei Euro Eintritt.
In der Rosenthaler Straße 39 liegt das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt, wo Otto Weidt ab 1940 blinde und gehörlose jüdische Beschäftigte vor der Deportation zu schützen versuchte. Das fensterlose Versteck hinter einem Kleiderschrank ist bis heute zu sehen, Eintritt und Führungen für Gruppen ab acht Personen sind kostenfrei. In der Großen Hamburger Straße folgt der Alte Jüdische Friedhof, auf dem zwischen 1672 und 1827 bestattet wurde und an den Moses Mendelssohn erinnert. Dazwischen liegen überall Stolpersteine, die zehn mal zehn Zentimeter großen Messingtafeln von Gunter Demnig.
Top10 Redaktion
Erfahrungsbericht vom 15.10.2026
Preisniveau
Höfe, Friedhof und Stolpersteine kostenlos, Neue Synagoge 2 Euro für Schulklassen, Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt gratis.
Dauer
Ein Vormittag reicht für vier bis fünf Stationen zu Fuß.
ÖPNV
S Hackescher Markt (S3, S5, S7, S9), Tram M1, M4, M5 und M6, U8 Weinmeisterstraße.
Parkmöglichkeiten
An den Stationen gibt es keine Parkplätze, die Anreise mit dem Nahverkehr ist deutlich einfacher.
Anmeldung
Führungen im Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt sechs bis acht Wochen vorher buchen, Gruppen ab 15 Personen nur mit Termin.
Highlight
Das fensterlose Versteck hinter dem Kleiderschrank in der Blindenwerkstatt.
Sicherheit
In der Neuen Synagoge gibt es einen Metalldetektor, Fotografieren ist im ganzen Haus untersagt.
Altersempfehlung
Für Führungen in der Blindenwerkstatt ab Klasse 5 empfohlen.
Öffnungszeiten
Adresse
Oranienburger Straße 35, 10117 Berlin, Deutschland





